Handwerkszeug und Haltung


Im Folgenden mag ich meine Arbeitsweise und ein paar Begrifflichkeiten näher erläutern, so dass deutlich wird, was hier angeboten wird und wie es sich gestaltet. Was bedeutet initiatische Prozessbegleitung, wie kann die Natur hier unterstützend sein, was meine ich mit Ritualen, wieso könnte eine Visionssuche hilfreich sein und was ist das eigentlich?

Antworten findest du im Text unter folgenden Überschriften:

1. initiatische Prozessbegleitung

2. Vier Schilde und Spiegel der Natur

3. Haltung und Kommunikation im Council

4. Rituale

5. Heldenreise

6. Visionssuche 

1. initiatische Prozessbegleitung®

In der Prozessbegleitung geht es darum, Menschen in Lebensübergängen und Wachstumskrisen, also Schwellenzuständen zu begleiten. Solche Schwellenzustände sind dadurch gekennzeichnet, dass Altes einen nicht mehr trägt, das Neue aber noch nicht greifbar ist.

Neben natürlichen Übergängen, wie Pubertät, Erwachsensein, Elternsein, Alter, Geburt, Wechseljahre, etc. durchleben wir auch individuelle Übergänge, wie Trennung, Heirat, Arbeitsplatzverlust, Burnout, Trauer und vieles mehr.

In dieser Situation geht es darum, sich in eine Situation zu begeben, in der das Leben eine Gelegenheit bekommt, den Betroffenen mitzuteilen, was es eigentlich mit ihm anfangen will.

Das bedeutet, leer werden, still werden, aufhören, damit Neues kommen kann.

Dies ist der Beginn der persönlichen, so genannten Held*innenreise, wie sie seit Jahrtausenden als Übergangsritual inszeniert wird. In dieser Auszeit und Stille können unverarbeitete Dinge an die Oberfläche kommen und angeschaut werden. Solche sogenannten Schatten bergen dann meistens ungeahnte Schätze und Potentiale, die es zu bergen gilt, damit sie sich voll entfalten können.

An dieser Stelle gibt die initiatische Prozessbegleitung®, mit ihren natur-psychologischen Entwicklungsmodellen und den darauf basierenden Methoden
des tieferen Selbstverstehens, Werkzeuge an die Hand, um die drängenden
Themen zu identifizieren und solche Wachstumskrisen Kraft entfaltend zu gestalten

Sie ist somit auch als eine moderne Form des Mentoring zu verstehen.

Prozessbegleitung, die das „Selbstheilungsvermögen“ des Menschen ernst nimmt, ermöglicht in Verbindung mit der Natur, ein Eintauchen in die eigene Seelenlandschaft. Dadurch wird es möglich, Antworten auf eigene Lebensfragen zu erhalten, die längst in einem angelegt sind.
Mit den Erkenntnissen aus dieser intensiven Natur- und Selbsterfahrung, unterstützt durch moderne Formen von Übergangsritualen, kann somit der Beginn einer neuen Lebensphase oder Sichtweise deutlich gemacht und gewürdigt werden.

Es geht aber nicht nur darum, Prozesse des Wandels mit einem Initiationsritual zu bestätigen, sonder es geht auch darum, Menschen durch ihren Prozess hindurch zu begleiten.

2. Vier Schilde und Spiegel der Natur

Innerhalb der initiatischen Prozessbegleitung arbeite ich mit dem naturpsychologischen Entwicklungsmodell der Vier Schilde. Dieses Modell beschreibt die Entwicklung des Menschen zyklisch und orientiert sich hierbei an der Natur und damit an den Himmelsrichtungen, den Jahreszeiten, den menschlichen Lebensphasen und unseren inneren Qualitäten und Seelenbewegungen.

Es unterstützt die Held*innen in ihrer Standortbestimmung und Selbsterkenntnis.

Wenn, wie oben bereits erwähnt, in unserem Körper mehr Informationen abgespeichert sind, als unserem Verstand zugänglich sind, stellt sich die Frage, wie wir an diese Informationen kommen. Manchmal zeigen sich solche Informationen in einem Bauchgefühl oder in intuitiven Handlungen, die der Verstand noch nicht erklären kann.

Um an Antworten zu kommen, die schon längst in uns angelegt sind, kann die Arbeit mit der rituellen Schwelle und dem Spiegel der Natur in Form intuitiver Spaziergänge, sogenannter Schwellengänge, dienlich sein.

Dies ist ein hermeneutisch-diagnostischer Ansatz, der hilft sich selbst besser zu erkennen und sich somit am eigenen Prozess als Mitgestalter*in zu verstehen.

Die Geschichten dieser Spaziergänge werden im Council gehört und die Erfahrungen und Erkenntnisse durch eine besondere Art der Reflexion, dem Spiegeln unterstützt. Diese Spiegelung bewertet ebenfalls nicht, sondern wiederholt die Geschichte und setzt sie in einen größeren Kontext (Monomythos).

3. Haltung und Kommunikation im Council

Es wird ein Raum geschaffen, in dem die unterschiedlichen Wahrheiten und Ideen der Teilnehmer*innen nebeneinander sein dürfen und sich entfalten können.

Um dies zu gewährleisten, kommunizieren wir im Council. Diese Form der gewaltfreien Kommunikation ist nicht bloß ein Handwerkszeug, sondern vielmehr auch eine innere Haltung, die bereits in vielen Schulen, Firmen und Organisationen angewendet wird.

Diese Haltung lässt sich beschreiben als eine Akzeptanz des So-Seins. Es wird nicht gewertet, beurteilt, analysiert, diskutiert oder beraten. Diese Art der Kommunikation kennt kein Recht-haben oder Besser-wissen-wollen. Es geht auch nicht um Zustimmung, Einigung und Gleichmacherei, sondern um Akzeptanz verschiedener und gleicher Wahrheiten nebeneinander.

Im Council sitzen wir im Kreis und es wird von Herzen gesprochen und von Herzen gehört. Dies macht nicht nur aus sozialem Engagement, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht, Sinn.

Unser Herz besteht zu 60% aus Neuronen und ist damit eher Gehirn als Muskel. Zudem speichert unser Körper das Millionenfache an Informationen ab, als der Verstand bewusst wahrnimmt. Somit ist es nicht nur spannend, zu hören, was das Herz zu sagen hat, sondern unterstützt auch auf dem Weg der Selbstfindung.

Das Council ist wohl die älteste Form der Kommunikation in sozialen Systemen.

Es stammt aus der Zeit der Ur- und Frühgeschichte, wo Menschen noch um das Feuer saßen, um Weisheiten, sowie kulturelles und spirituelles Wissen weiter zu geben. Es kommt aus der Tradition des story tellings und erklärt durch seine tiefe Verwurzelung in der Frühzeit menschlicher Kultur, warum diese Kommunikation allen Kulturen der Welt bis heute vertraut ist.

4. Rituale

Wenn ich von Ritual rede, klingt das für mache Menschen esoterisch,

deshalb mag ich an dieser Stelle ein paar Worte darüber verlieren.

Neben den Geistes- und Kulturwissenschaften, hat das Ritual und ihre Bedeutung und Wirkweise auch das Interesse der Naturwissenschaften geweckt.

Wir vollziehen tagtäglich eine Menge von unbewussten Ritualen, die bis hin zu lästigen Handlungen und krankhaften Zwängen reichen. Ganz bewusst vollzogene Rituale haben jedoch eine kraftvolle Wirkung. Das Ritual als heiliger Prozess geriet durch die Aufklärung und der protestantischen Reformation in Verruf.

Rituale gibt es jedoch überall, wir nutzen sie zur Organisation unseres Lebens, unserer Kommunikation und unserer Beziehungen. Immer dann, wenn wir einer Handlung besondere Bedeutung verleihen wollen, wenn wir in einer Phase der Orientierungslosigkeit und Krise Halt suchen, wenn wir Unklares fokussieren, verwirrenden Emotionen Sinn und einer Krise Bedeutung geben wollen, greifen wir zurück auf Rituale.

Sie wirken Tag für Tag, unbewusst durchgeführt bleibt ihr tieferer Sinn und Wirkung jedoch verborgen. Die Kraft des Rituals kann durch Bewusstheit und Hingabe genutzt werden.

Bei den Dagara (Stammeskultur aus Westafrika) heißt es, das Ritual sei wie ein auf ein Ziel abgeschossener Pfeil.*

Wir brauchen wirksame und kraftentfaltende Rituale, die eine echte Bewusstseinswandlung ermöglichen und nicht mehr nur reines Zeremoniell sind.

Dabei ist es wichtig, dass das Ritual kraftentfaltend ist und die Leitung eine klare Grenze zwischen heilig und profan zieht. Ebenso muss es einen Sinn machen und die Handlungen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass so ein gestaltetes Ritual dem Menschen dient und nicht der Mensch dem Ritual. Dies war meinen Lehrern Holger und Gesa Heiten besonders wichtig: „Die Form ist alles, die Form ist nichts, wir bieten einen Rahmen, der mit dem Eigenen gefüllt wird. In unserer Arbeit wollen wir Rituale als Hilfsmittel einsetzen. Sämtliches zeremonielles Brimborium und unnötige esoterische Wichtigtuerei, lehnen wir als nicht zielführend ab.“

In den Worten von unseren Lehrern Steven Foster und Meredith Little aus Amerika ausgedrückt: „Don´t let them give their power away.“ oder “In order to serve the process, go out of its way!”

In Bezug auf die Übergangsrituale, die hier beschrieben und angeboten werden, mag ich zudem eine Erkenntnis des Biologen Rupert Sheldrake teilen.

Er geht davon aus, dass jede Aktivität die im Netzwerk des Universums stattfindet, eine Art Abdruck, Gedächtnis der Natur, morphologisches Feld hinterlässt. Jedesmal, wenn eine Aktivität im Universum einer früheren gleicht, greift die Natur seiner Ansicht nach auf die schon vorhandene Struktur zurück, ob es sich dabei um eine Schneeflocke, ein Kristall, ein Organismus, ein Verhalten, Erkenntnis oder ein Ritual handelt. Diese „morphische Resonanz“ findet auch statt, wenn Menschen in Kontakt mit den Archetypen des kollektiven Unbewussten kommen und sich damit an eine Urform des Wissens anschließen

“dieses Ritual hat deshalb so viel Kraft, weil schon Hunderttausende vor euch hinausgegangen sind.“ (Steven Foster)

5. Heldenreise

Joseph Campell (1904-1987), ein us-amerikanischer Mythenforscher hat herausgefunden, dass jedes Märchen, jede Sage, jede Geschichte völlig zeit- und kulturunabhängig immer dem selben Schema folgt, dem sogenannten Monomythos. Er beschreibt damit eine universelle und archetypische Erzählstruktur, die seit der Veröffentlichung seines  Buches The Hero with a Thousand Faces Einfluss auf moderne Erzähltheorien hat und die Vorlage für Drehbuchkonzepte (z.B. für George Lucas bei der Star Wars Saga) bildet. Es scheint im Menschen eine Archetypische Seelenbewegung zu geben, die sich in einer gelingenden Prozessbegleitung nachzeichnen lässt, um sinnstiftend zu wirken. Die sogenannte Heldenreise teilt sich auf in verschiedenen Phasen. Diese könnte ich so beschreiben: 

Eine Held*in zieht los ins Unbekannte, verlässt das vertraute Heim und folgt einem inneren Ruf. Auf dieser sogenannten Heldenreise trifft unsere Held*in auf Bedrohungen (Prüfungen) und Helfer, die sie letztendlich zur großen Prüfung (z.B. Kampf mit dem Drachen) führen, wo sie, wenn sie diese meistert, eine Belohnung (z.B. das Elixier des Lebens) erhält. Mit diesem Segen kehrt sie zurück in ihre Gemeinschaft, wo sie als Held*in gefeiert wird.

Dieser Monomythos wird in unserer modernen Form des Übergangsrituals in seinem Ablauf nachgezeichnet. Demnach ist es uns wichtig, dass sich die Teilnehmer*innen gerufen fühlen, sprich sich freiwillig entscheiden, auf so eine Reise zu gehen. In der Solozeit begegnen sie ihren ganz individuellen Themen und Ängsten und gehen sehr unterschiedlich mit diesen um. Die Natur dient hier als Medium, welches klar, ehrlich und ohne Bewertung einen Spiegel vorhält.

Als sogenannte „Belohnung“ stehen hier individuelle Erkenntnisse und Erfahrungen, vielleicht auch Visionen, die als Reifeprozess des Einzelnen, letztendlich auch der Gemeinschaft (Familie, Freunde, Umfeld) dienen.

6. Visionssuche

Die Visionssuche ist ein uraltes Übergangsritual, welches es in unterschiedlicher Form zu jeder Zeit in allen Kulturen gegeben hat. Es diente dazu, die Menschen, die sich in Übergängen befanden, zu begleiten und diese Transformation kraftenfaltend zu gestalten und zu würdigen. Der klassiche Übergang war der, vom Jugendlichen zum Erwachsenen. In unserer modernen Gesellschaft gibt es viele Übergänge: Natur-gegebene, wie Geburt, Pubertät, Midlife-Crisis, Wechseljahre, Tod und Alltägliche, bzw. Kultur-bedingte, wie Schulbeginn und -abgang, Jobwechsel, Umzug, Heirat, Trennung uvm. In diesen Übergängen, in denen das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht greift, braucht es eine Zeit der Leere und Stille, damit wir in uns hineinhören können, um zu erfahren, was die aktuelle Wahrheit über uns Selbst ist und wie die Neu-Ausrichtung aussehen kann. Die moderne Form der Visionssuche, wie sie hier angeboten wird, bietet einen sicheren Rahmen und professionelle Begleitung in dieser Zeit der Stille und Neuausrichtung an.

Sie gestaltet sich in drei Phasen:

Ablösung

In dieser Zeit der Vorbereitung gehen wir mit dir durch dein Lebensrad und schauen, was dich hergebracht hat, was es zu bestätigen gilt und was es braucht, damit du mit der ausreichenden Sicherheit und Herausforderung in deine Solozeit gehen kannst.

Solozeit

Nach dieser intensiven und guten Vorbereitung, gehtst du 3-4 Tage alleine, fastend mit allem was nötig ist, in die Wildnis und bist mit dir und den Kräften der Natur alleine. In dieser Zeit gibt es nichts zu tun und du bist ohne Ablenkung, so dass du leer werden kannst und das Leben dir mitteilen kann, was es von dir will. Hier können auch Schatten sichtbar werden, die sich oft als Wächter von Potentialen erweisen, für die du manchmal erst die nötige Reife erlangen musst, damit sie wieder zur Verfügung stehen. 

Integration

Nach der Zeit des Allein-seins, kehrst du in die Gemeinschaft zurück und deine Geschichte wird im Kreis gehört und gespiegelt. Nun wird es darum gehen, deine Gaben und Erkenntnisse in den Alltag zu tragen. Wir bieten hier eine einjährige Begleitung in diesem Integrationsprozess an.